Tourist-Info Lallinger Winkel, Hauptstr. 17, D-94551 Lalling, Telefon: 09904-374, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

St. Stephanus in Lalling
Die, dem Heiligen Stephanus, dem Patron der Domkirche von Passau, geweihte Pfarrkirche in Lalling, erhebt sich weithin sichtbar auf dem höchsten Punkt des Kirchhügels und beherrscht souverän das sich ringsum anschließende Dorf. Der Turm mit Kuppelhelm überschaut mit seiner Höhe von 37 Metern den ganzen Lallinger Winkel. Das Kirchenschiff hat eine Länge von 31 m, ist 12 m breit und erreicht eine Höhe von 8,5 m. Dem Eingang an der Südseite ist ein Anbau mit einer Ölberggrotte vorgesetzt. Sie beherbergt die holzbildhauerisch schön gestalteten Figuren vom leidenden Christus und den schlafenden Jüngern. Den vorderen Platz nimmt ein sehr alter, aus Granit gehauener romanischer Taufstein aus der Zeit des ersten Kirchenbaues ein. Gegenüber der Ölberggrotte ist eine Armenseelengrotte, in der früher ein weniger erbauliches Bild des Jüngsten Gerichtes hing. Nun ist eine Kreuzigungsgruppe dort aufgestellt.
An der östlichen Seite des Langschiffes ist ebenfalls ein Vorbau angebracht, an den sich die Sakristei anschließt. Von diesem Vorraum aus kommt man durch eine Tür zum Presbyterium, eine Holztreppe führt zum Oratorium im ersten Stock und zur Kanzel. Im Betraum oben sind neben den Schränken zur Aufbewahrung der Kirchengewänder und der sakralen Utensilien Betstühle vorhanden und eine Fensteröffnung eröffnet den Blick zum Altar.
Die kleine Tür an der Nordseite des Altarraumes führt in den Glockenturm. Der Kirchturm wies früher, wie man aus alten Fotos noch erkennen kann, als Besonderheit auf, daß an der Westseite kein Zifferblatt angebracht war. Als Grund dafür nennt die Legende: dies sollte eine Bestrafung für die Bewohner der oberen Pfarrei sein, die unbedingt die Kirche auf der Höhe von Kapfing errichtet sehen wollten. Dreimal haben die Kapfinger das Baumaterial von Lalling in ihr Dorf gefahren, doch Engel selber haben in der Nacht alles wieder zurückgebracht.
Der Glockenstuhl beherbergt drei Glocken, deren Tonart das .Salve Regina Motiv. beinhaltetet.
Die kleine Glocke ist 270 kg schwer und stammt aus dem Jahre 1600, die zweite wiegt 450 kg und wurde 1609 angeschafft. Es ist dies die Heimkehrerglocke. Sie wurde im Februar 1942 mit ihrer größeren Schwester für Kriegszwecke eingezogen. Am 18. Februar 1946 kehrte sie aus Hamburg wieder zurück. Die größere wurde Opfer des Krieges. Als Ersatz dafür wurde im Jahre 1949 in der Glockengießerei Perner in Passau die dritte Glocke angefertigt. Sie wiegt 824 kg und wird die St. Gunther-Glocke genannt. Die Inschrift lautet: "Sankt Gunther, unser Schutzpatron, bitt' stets für uns an Gottes Thron! Sankt Gunther, Deiner Glocke Klingen, möge Frieden uns und Segen bringen!"
Der Bayerische Rundfunk hat anläßlich des 250-jährigen Bestehens der Pfarrei am Festtage Mariä Himmelfahrt 1968 das Glockengeläut aus Lalling landesweit übertragen
Der erste Bau einer Kirche In Lalling dürfte schon vor der Jahrtausendwende hier errichtet worden sein, bald nachdem vom Kloster Niederalteich das Gebiet hier einer adeligen Familie zur Kolonisierung übergeben wurde. Die Ethymlogie bezeichnet einen Lallo als Gründer der Ortschaft, der auf dem Hügel einen Herrensitz erbaute und dem Ort den Namen gab. Das Kloster selbst, das 741 vom Bayerischen herzog Odilo gegründet worden war, hat das ganze Gebiet des Lallinger Winkels 780 vom Nachfolger Herzog Tassilo übereignet bekommen mit dem Auftrag, die Gegend urbar zu machen und zu besiedeln. Ob in der Zeit des Hl. Gunther, der vom 1008 bis 1011 als Eremit in einer Felsenhöhle am Ranzingerberg hauste, in Lalling bereits ein. Kirchlein bestand, darüber gibt es keine Aufzeichnungen. Erstmals urkundliche Erwähnung fand die Lallinger Kirche 1149. In diesem Dokument ist die Kirche in Lalling als Filialkirche der Klosterpfarrei Auerbach benannt.
So wie sich die Lallinger Pfarrkirche in ihrer barocken Fülle zeigt, ist sie 1722/23 gebaut worden. Denn schon bald nach der Erhebung der Filiale Lalling zur Pfarrei im Jahre 1718 hat sich gezeigt, daß die Kirche zu klein und auch schon baufällig war. Darum hat sich der Abt von Niederalteich, Joscio, auf Drängen des damaligen Pfarrer P. Kar! Diefenpöckh am 3. Mai 1722 an den Fürstbischof von Passau, Raimund Ferdinand von Rabatta, mit folgendem Schreiben gewandt:
"Die Kirche von Lalling ist so baufällig, daß eine Seitenmauer völlig abgebrochen werden muß. Die Kirche ist auch zu klein für die volkreiche Pfarrgemeinde. Darum soll die neue Mauer um 5 Werkschuh hinausgeruckt werden"
Am 11.Mai 1722 genehmigte das Ordinariat Passau das Bauvorhaben, auch die Transferierung des Allerheiligsten wahrend der Bauzeit. Der Baumeister des Klosters Niederalteich leitete den Umbau. Am Festtage "Auffindung Stephanus", am 3. August 1722 - am 3. August 415 fand der Priester Lucianus in der Nähe von Jerusalem in einem Felsengrab Gebeine, die er als die des HI. Stephanus bezeichnete - war die Weihe der neu erbauten Kirche. Die Augustkirchweih, die jährlich am Sonntag vor dem 3. August abgehalten wird, erinnert an diesen Tag.
Die Innenausstattung der Pfarrkirche entsprach aber bald nicht mehr dem Geist der damaligen Zeit. So wurde auf Drängen des Pfarrers von Lalling, Pater Virgilius Kittenbauer, unter Abt Ignatius 1786 der Kirchenraum völlig erneuert und in die heutige spätbarocke Gestalt gebracht. Die Klosterwerkstätten lieferten die Ausstattung. Inzwischen ist das Gotteshaus wiederholt renoviert worden, zuletzt 1955 und 1980. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.
Gleich beim Betreten der Kirche wird der Blick vom Hochaltar eingefangen. Der barocke Aufbau, auf beiden Seiten von Säulen auf Engelskonsolen eingesäumt, umfängt das Gemälde von der Steinigung des Hl. Stephanus. Rechts und links zur Seite stehen die überlebensgroßen Statuen der zwei alten Diözesanheiligen; auf der Epistelseite der Hl. Valentin, Hauptpatron der Diözese. dessen Reliquien im Dom zu Passau seit 764 verehrt werden, auf der Evangelienseite die Figur des zweiten Diözesanheiligen Maximilian. Beide sind im bischöflichen Ornat dargestellt. Ein Bildnis des dritten Diözesanheiligen, des Bruder Konrad, ist unter der Empore angebracht.
Ins Auge fällt auch der goldgefaßte Tabernakel mit seiner Rundwölbung. Der Altartisch ist mit einer herrlichen Marmorplatte bedeckt, die die Reliquien der Heiligen Purpuratus und Verecundus beherbergt. Als feierlichen Abschluß der Kirchenrenovierung unter Pfarrer Dr. Dejaco im Jahre 1955 weihte Bischof Simon Konrad Landersdorfer am Allerweltskirchweihtag (16.10.) den Hauptaltar neu.
Der Volksaltar in der Mitte des Presbyteriums ist dem Stil des Hauptaltars angepaßt und wurde in der Zeit der Reform der Kirche nach dem II. Vatikanischen Konzil 1968 aufgestellt.
Die gleiche Gestaltung wie der Hochaltar weisen auch die beiden Seitenaltäre auf, die mit ihrem barocken Aufbau die Frontseite der Seitenschiffe bis zur Decke ausfüllen. Der rechte Seitenaltar ist der sogenannte Kreuzaltar. Das Gemälde in der Mitte ist eine sehr schöne Nachbildung des Isenheimer Kreuzigungsbildes in Lebensgröße, gefertigt um 1750. Zur Seite stehen die beiden Heiligen des ländlichen Raumes: Der Hl. Florian als Patron gegen Feuersbrunst und der Hl. Sebastian als Helfer gegen Seuchen und Krankheit. Die Altartischfläche beherbergt in der Weihnachtszeit den Aufbau einer schönen alten Krippenlandschaft. In den Kartagen ist hier das Allerheiligste ausgesetzt.
Der linke Seitenaltar, der Marienaltar, zeigt in der Mitte das Bildnis der "Immaculata" des Unbefleckten Herzens Mariä, eine sehr ansprechende und liebliche Darstellung. Das Haupt Mariens ist mit einem Sternenkranz geziert, zu ihren Füßen liegt die Mondsichel und der Erdball, auf dem sie der höllischen Schlange den Kopf zertritt. In der rechten Hand hält sie die Lilie. Das Bild ist ein Werk des Priestermalers Johann Ev. Kappel aus Walchsing und wurde 1958 erstellt. Neben dem Bildnis steht auf der linken Seite die Statue des HI. Märtyrerdiakons Laurentius .mit dem Palmzweig, der als Patron der Abteikirche in Niederalteich die Verbindung von Lalling zum Kloster dokumentiert. Zur Rechten ist die Statue des Hl. Johannes Nepomuk, des Brückenheiligen, der für die Bewahrung des Beichtgeheimnisses den Märtyrertod erlitt.
Im gleichen Stil wie die Altäre ist auch die Kanzel gestaltet. Rund um den geschweiften Körper mit Muschelwerkdekoration sind die vier Evangelisten im Halbrelief postiert, der prächtige Deckel trägt die Figur des Guten Hirten.
Auf halber Höhe der das Kirchenschiff tragenden Säulen sind die bemalten hölzernen Statuen der 12 Apostel mit ihren Symbolen in Lebensgröße auf Konsolen gestellt. Sie sind um 1800 angeschafft worden. Dazwischen hängen die 14 Bilder des Kreuzweges an den Wänden. Sie sind Werke des Kunstmalers Hans Baumann aus München. Ihre Anschaffung wurde durch die Spende der Hauptlehrerfamilie Piehler 1934 ermöglicht.
Die beiden im Nordteil des Kirchenschiffes eingemauerten Beichtstühle sind neueren Datums. Sie wurden bei der Kirchenrenovierung 1954 vom Schreinermeister Kowarsch aus Hengersberg gefertigt.
Beachtenswert sind auch die Muschelwerkschnitzereien an den Kirchenstuhldocken, die wohl in der Klosterschreinerei angefertigt worden waren und die bei der Erneuerung der Bänke immer wieder verwendet wurden. Das dreiteilige Orgelgehäuse ist mit leichten Rokokoschnitzereien versehen.
Von hervorragender künstlerischer Arbeit sind die beiden versilberten Ewiglichtampeln mit fein ornamentierten, durchbrochenen Treibarbeiten in Rokoko, gefertigt um 1750.
Die älteste und kunsthistorisch wertvollste Holzfigur ist die sogenannte Türkenmadonna, eine sehr gute Arbeit aus dem Beginn der Spätgotik um 1400. Maria und das Jesuskind auf ihrem Arme tragen eine barocke Krone. Zepter und Krone sind Zutaten aus dem 18. Jahrhundert. Sie steht auf einem plattgedrückten Kopf. Dies soll wohl den durch die Hilfe Mariens, errungenen Sieg der Christenheit über das osmanische Reich versinnbildlichen. Diese Madonna ist an der linken Säule im Altarraum befestigt
Auf der gegenüberliegenden Säule ist auf gleicher Höhe die Statue des Hl. Josef angebracht. Diese wurde 1992 von der Holzschnitzerwerkstatt Prix in Hengersberg angefertigt. Der Kath. Frauenbund hat dieses Bildwerk gestiftet.
Erwähnenswert ist auch die Statue der "Mater dolorosa" mit den sieben Schwertern im Herzen. Sie steht unter einem Kreuze mit lebensgroßem Heiland und ist im Altarraum über der Tür zum Turm angebracht.
Im hinteren Teil der Kirche unter der Empore zwischen den Beichtstühlen ist die Statue des Hl. Antonius von Padua (13.Juni) zu sehen. Er hält in der einen Hand ein Gebetbuch, auf dem sich das Jesuskind zeigt, in der anderen trägt er eine Lilie als Symbol des reinen Herzens. Der Hl. Antonius ist ein beliebter Heiliger, der gerne angerufen wird, wenn etwas verloren gegangen ist.
Ein Deckengemälde findet sich nur im Gewölbe des Presbyteriums. Das vordere Bildnis, direkt über dem Hauptaltar ist eine Ergänzung des Altarbildes von der Steinigung des Stephanus. Gott Vater, im Geleit der beiden Erzengel Michael und Raphael, schickt den dritten Erzengel Gabriel mit der Märtyrerkrone in der einen und dem Siegeskranz in der anderen Hand hernieder. Das kleine Kind im unteren Teil des Bildes ist Sinnbild der Erlösung der Welt durch Gottes Sohn.
Das hintere Bild zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel. Die Heilige Dreifaltigkeit empfängt die Mutter Gottes.
Die Säkularisation 1803 war für die Lallinger Pfarrkirche von großer Bedeutung, denn mit diesem Datum endete die Abhängigkeit der Pfarrei Lalling von Niederalteich. Allerdings verlor sie auch alle grundherrlichen Rechte. Am 2. Januar 1806 wurde dann durch königliches Dekret Lalling neu organisiert und zur selbständigen Pfarrei landesherrlichen Patronats erhoben. Die Ernennung eines Pfarrherrn lag nun in den Händen des Landesherren. Weil nun Bayerns Kurfürst Maximilian vom Kaiser Napoleon die Königswürde erhielt durfte sich Lalling "königlich - bayerische Pfarrei" nennen. Mit dem Ende des Bayerischen Königtums 1918 gingen die Rechte auf das Ordinariat Passau über.
Liebe Besucher der Hl. Stephanus Pfarrkirche in Lalling! Unzählige Menschen haben in den Jahrhunderten des Bestehens dieses Gotteshauses hier Trost, Vergebung und Hilfe gefunden. Alle Generationen haben auch in schwierigen Zeiten ihren Teil dazu geleistet, daß diese Kirche zu einem Kleinod im Lallinger Winkel geworden ist. Dieses zu erhalten und !m die kommenden Geschlechter weiterzugeben ist Aufgabe der heutigen Pfarrgemeinde.
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